Autor: BlankbowLife

  • Was ist eigentlich Blankbogenschießen?

    Was ist eigentlich Blankbogenschießen?

    Wenn das Wetter nicht mitspielt, ist die Halle eine gute Alternative.

    Blankbogenschießen klingt erstmal einfach: ein Bogen, eine Sehne, ein paar Pfeile – fertig. Keine Visiere, keine Hightech-Stabis (diese Teile, die wie Antennen aussehen) und genau das macht den Reiz aus: Du verlässt dich nicht nur auf Technik, sondern auf Körpergefühl, Konzentration und wiederholbare Bewegung.

    Jetzt werden die Recurve-Schützen bestimmt ihr Veto einlegen, aber ich finde, dass gerade das Zielen über die Pfeilspitze etwas komplett anderes ist, als mit einem Visier. Nichtsdestotrotz müssen alle Bogenschützen an Konzentration arbeiten und auch Wiederholbarkeit herstellen. Doch dazu später mehr.

    Wenn du wissen willst, wie ich persönlich beim Blankbogen gelandet bin, lies gern zuerst meinen Artikel
    „Wie ich zum Blankbogen kam – und warum ich geblieben bin“ – dieser Text hier ist sozusagen Folge 2: die Einsteiger-Erklärung.

    In diesem Artikel bekommst du eine einfache, verständliche Einführung in das Blankbogenschießen – mit Fokus auf Einsteiger, die neugierig sind, ob dieser Stil zu ihnen passt.


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    1. Kurz gesagt: Was ist Blankbogenschießen?

    Blankbogenschießen (international „Barebow Archery“) ist eine moderne Bogen-Disziplin, bei der ein Recurvebogen ohne Zielhilfen und Stabilisatoren geschossen wird. Er ist vom Grundaufbau her eng verwandt mit dem olympischen Recurvebogen – nur eben „abgerüstet“: ohne Visier, ohne lange Stabis, ohne Klicker.

    Die Idee dahinter:
    Du zielst nicht über ein Visier, sondern nutzt Pfeilspitze, Hand, Sehne und das Ziel als Gesamtbild. Viele Blankbogenschützen arbeiten mit Techniken wie Stringwalking oder Facewalking, um unterschiedliche Entfernungen ohne Visier auszugleichen – aber das musst du am Anfang noch nicht sofort können.

    Wichtig ist:
    Blankbogenschießen ist kein „primitiver“ Stil, sondern eine vollwertige, anerkannte Wettkampfdisziplin mit eigenen Regeln und internationalen Meisterschaften.


    2. Wie sieht ein Blankbogen aus?

    Ein moderner Blankbogen besteht in der Regel aus:

    • einem Recurve-Mittelstück (Metall oder Holz),
    • zwei Wurfarmen,
    • einer Sehne,
    • einer Pfeilauflage,
    • einem oder zwei Nockpunkten auf der Sehne,
    • optional einem kleinen Gewicht am Mittelstück zur Balance.

    Nach den internationalen Regeln (World Archery) gilt grob gesagt:

    • Der Bogen darf kein Visier, keine Stabilisatoren und keinen Klicker haben.
    • Ein kleines Gewicht am Bogen ist erlaubt, solange der gesamte Bogen (ungespannt) durch einen Ring von 12,2 cm passt.
    • Es sind nur sehr einfache Anbauten erlaubt, die die Balance verbessern, aber nicht beim Zielen helfen.

    Trotz dieser Einschränkungen ist ein Blankbogen modernes Sportgerät – mit Carbon-Wurfarmen, präzisen Sehnen, hochwertigen Pfeilen und feiner Abstimmung. Und das ist auch das, was mir daran so gut gefällt: Die Technik und Entwicklung sind weitergegangen und so ist der Bogen noch relativ simpel, kann aber technisch sehr variieren – wenn man das möchte.


    3. Blankbogen im Vergleich zu anderen Bogenarten

    Drei Bögen nebeneinander: Compoundbogen, olympischer Recurve mit Visier und Stabilisatoren sowie Blankbogen-Recurve auf einem Ständer
    Drei Bogenklassen im Vergleich: links Compound, in der Mitte olympischer Recurve, rechts Blankbogen-Recurve.

    Damit du das besser einordnen kannst, hier ein schneller Vergleich:

    • Compoundbogen
    • Rollen/Cams, Visier mit Vergrößerung, Release, oft Scope, Peep (eine in die Sehne eingebaute kleine Öffnung, damit man es wie Kimme & Korn nutzen kann)
    • Sehr technisch, häufig im 3D- und Scheibensport, Fokus auf maximale Präzision
    • Wird z. B. in den USA auch gerne für die Jagd verwendet
    • Olympischer Recurvebogen
    • Mit Visier, Klicker, Stabilisatoren
    • Sehr präzise, technisch anspruchsvoll, viel Feintuning
    • Disziplin bei Olympia
    • Blankbogen (Barebow)
    • Recurvebogen ohne Visier und Stabis
    • Moderne Technik, aber reduziertes Setup
    • Offizielle Disziplin in Feld-, 3D- und zunehmend auch Scheibenwettkämpfen
    • Langbogen / Traditioneller Bogen (nicht im Bild)
    • Oft Holz, meist ohne Pfeilauflage (Pfeil liegt auf dem Shelf oder auf der Hand)
    • Sehr puristisch, historischer oder traditioneller Charakter – eher wie Robin Hood 😉

    Blankbogenschießen verbindet also moderne Materialien mit einem reduzierten, direkten Schießgefühl – ganz klar: mein Ding!


    4. Warum Blankbogen ideal für Einsteiger

    Viele Verbände und Vereine empfehlen, zunächst ohne Visier zu schießen, um eine saubere Grundtechnik zu entwickeln.
    Gerade der Blankbogen hat für Einsteiger ein paar klare Vorteile:

    1. Weniger Technik, mehr Gefühl
      Du musst dich am Anfang nicht mit Klicker, Visierfeineinstellung oder Stabi-Tuning beschäftigen. Der Fokus liegt auf:
    • Körperhaltung
    • wiederholbarem Ankerpunkt (den erkläre ich später noch ausführlicher)
    • sauberem Lösen der Sehne
    • ruhiger Atmung
    1. Schneller Erfolgsmoment
      Du merkst relativ direkt, wie sehr Konzentration und Körperkontrolle dein Trefferbild beeinflussen. Kleine Verbesserungen in der Technik machen sich schnell sichtbar.
    2. Mentaler Ausgleich
      Bogenschießen – und besonders Blankbogen – wird oft als ruhiger, meditativer Sport beschrieben:
      Fokus auf Ziel, Atmung, Bewegung; das Außen wird leiser. Studien und Praxisberichte betonen, dass Bogenschießen Stress reduzieren und die Konzentration fördern kann. Das kann ich so unterschreiben.
    3. Flexible Einsatzmöglichkeiten
      Blankbögen werden in der Halle, auf dem Außengelände, im Feldparcours und im 3D-Gelände geschossen. Du kannst also später entscheiden, wohin dein Weg gehen soll, ohne das Material komplett zu wechseln.

    5. Wie läuft ein Schuss mit dem Blankbogen ab? (Einfach erklärt)

    Die Details der Technik sind umfangreich – aber als Einsteiger reicht es, wenn du den groben Ablauf kennst. Typisch (leicht vereinfacht):

    1. Stand einnehmen
      Seitlich zur Scheibe, Füße etwa schulterbreit. Du stehst stabil, aber nicht verkrampft. Becken gekippt und Brustbein tief.
    2. Einlegen & Ausziehen
    • Pfeil einlegen, Nocke zwischen die beiden Nockpunkte (Markierung an der Sehne, die vorgibt, wo der Pfeil liegen muss) “einrasten” – das hört man auch ein wenig.
    • Drei Finger an der Sehne (die Varianten erkläre ich zu einem späteren Zeitpunkt).
    • Bogen etwas vorspannen (1cm) und etwa auf Augenhöhe heben.
    • Bogen langsam ausziehen, Schultergürtel bleibt tief und entspannt.
    1. Ankerpunkt finden
      Du bringst die Hand mit der Sehne immer an die gleiche Stelle im Gesicht (z. B. Mundwinkel, Kinn). Das nennt man Ankern. Der konstante Ankerpunkt ist der Schlüssel zu wiederholbaren Schüssen.
    2. Zielen ohne Visier!
      Du nutzt:
    • die Pfeilspitze,
    • den Verlauf der Sehne (wie sie vor dem Auge erscheint – das nennt sich Sehnenschatten),
    • das Zielbild (Scheibe oder Tierattrappe),
      um deinen „Zielpunkt“ zu finden. Später kommen Techniken wie Stringwalking dazu, aber am Anfang reicht ein einfaches Zielbild.
    1. Lösen & Nachhalten
      Du entspannst die Finger der Zughand kontrolliert, ohne daran zu „reißen“. Das passiert automatisch wenn der Ellenbogen nach hinten rotiert. Der Pfeil fliegt – die Hände bleiben noch einen Moment in Position (Nachhalten), statt sofort „abzusacken“.

    Diese Schritte lernst du am besten unter Anleitung in einem Verein oder Kurs. Allein ausprobiert wirkt vieles komplizierter als nötig – ein guter Trainer spart dir Monate an Frust und bringt dir gleich gute Ergebnisse.


    6. Wo wird Blankbogen geschossen?

    Zielscheiben in einer Sporthalle, wie sie beim Training und bei Turnieren im Blankbogenschießen genutzt werden
    Klassische Zielscheiben in der Halle – hier trainieren auch Blankbogenschützen.

    Blankbogen ist extrem vielseitig. Typische Einsatzbereiche:

    • Hallen-Bogenschießen
    • Distanz meist 18 m
    • Schießen auf große, runde Auflagen (z. B. 40er oder 60er)
    • Ideal, um Technik und Konstanz aufzubauen
    • Scheibensport im Freien
    • Distanzen von 30 m bis 50 m (je nach Verband und Klasse) – Auflagen werden größer -> 120cm
    • Schießen auf große Scheibenauflagen bei Wind, Sonne, wechselnden Bedingungen
    • Feldbogenschießen
    • Parcours im Gelände, bergauf / bergab, teils unbekannte Entfernungen
    • Offizielle Barebow-Disziplin bei World Archery und den World Games – und ehrlich gesagt: ich finde das ziemlich cool.
    • 3D-Bogenschießen
    • Auf Tierattrappen aus Schaumstoff, meist im Wald oder Gelände
    • Sehr beliebt bei Blankbogenschützen, weil es „natürlicher“ wirkt und spielerisch ist
    • Außerdem ist es auch anspruchsvoll bezüglich Schießtechnik und Durchhaltewillen
    Blankbogenschütze im 3D-Parcours im Wald, Pfeil im 3D-Ziel
    3D-Parcours im Wald: Mit dem Blankbogen auf naturnahe Tierziele schießen macht besonders Spaß.

    Gerade Feld- und 3D-Bogenschießen passen sehr gut zum Blankbogen, weil das intuitive, flexible Zielen hier seine Stärken ausspielt.


    7. Was brauchst du als Einsteiger wirklich?

    Du musst NICHT sofort einen teuren High-End-Bogen kaufen. Bitte nicht! Für den Einstieg reicht in der Regel:

    • Ein Einsteiger-Recurve-Set (normalerweise im Verein vorhanden oder als Leihausrüstung zu bekommen)
    • Mittelstück, Wurfarme mit geringer Zugkraft
    • einfache Pfeilauflage, Nockpunkt, Sehne
    • Pfeile
    • Zum Start reicht erstmal das Vereinsmaterial. Später eigene Pfeile, abgestimmt auf Zuggewicht und Auszugslänge.
    • Pfeile am Anfang nicht kürzen lassen!
      Dein Auszug verändert sich in den ersten Monaten oft noch, weil deine Technik stabiler wird und du dich an den Bogen gewöhnst. Wenn die Pfeile dann zu kurz sind, kannst du sie nicht mehr sicher schießen und musst neue kaufen. Lass deine Pfeile deshalb am Anfang lieber in der originalen Länge oder ein bis zwei Zoll länger und entscheide erst später mit einem erfahrenen Trainer oder Händler, ob und wie gekürzt werden soll. Zu kurze Pfeile bedeuten oft = neu kaufen!
    • Finger-Tab (Fingerschutz) und Armschutz
    • Verhindert Blasen und blutige Unterarme.
      Du kannst dir auch die Finger mit Tape umwickeln, wenn der Druck zu groß ist. Das hilft mir auf jeden Fall sehr gut.
    • Bequeme Kleidung
    • Eng anliegender Oberkörperbereich (damit die Sehne nirgendwo hängen bleibt)
    • Feste Schuhe, in denen du stabil stehen kannst – gern mit flacher Sohle. Für das Hallentraining entsprechende Schuhe mit weißer Sohle
    • Geht’s ins Gelände, sind natürlich andere Schuhe angeraten. Da wird auch tatsächlich in der Sportordnung drauf hingewiesen. Mit FlipFlops ins Gelände bedeute disqualifiziert zu werden. Achtet selber auf eure Sicherheit!

    Optional später:

    • Sehnenhalter, Köcher, Brustschutz, eigenes Mittelstück, hochwertigere Wurfarme, Feintuning des Setups (so nach 2 Jahren ungefähr).

    Viele spezialisierte Blankbogen-Händler und Vereinsbetreuer empfehlen, mit niedrigem Zuggewicht anzufangen, um saubere Technik aufzubauen, statt sich mit zu viel Kraft „durchzukämpfen“.
    Bei Männern ist das eher ein Problem als bei Frauen. Davon bin ich nicht ausgenommen. 😉


    8. Was macht die Faszination Blankbogen aus?

    Wenn man Blankbogenschützen fragt, was sie an diesem Stil lieben, fallen immer wieder ähnliche Punkte:

    • Ehrliches Material
      Jeden Fehler in der Technik siehst du im Trefferbild – und genau das hilft beim Lernen.
    • Körper & Kopf im Einklang
      Der Schuss gelingt, wenn Atmung, Haltung, Spannung und Fokus zusammenpassen. Das schafft eine besondere Form von Konzentration.
    • Flow-Momente
      Serien, in denen „einfach alles läuft“, fühlen sich unglaublich befriedigend an – ganz ohne Elektronik und Schnickschnack.
    • Reduziert, aber nicht primitiv
      Du schießt mit modernem Sportgerät, aber ohne elektronische Hilfsmittel. Es ist sportlich, technisch und gleichzeitig pur.
    • Gemeinschaft
      Blankbogenschützen sind oft eine sehr offene, hilfsbereite Community – man tauscht sich viel über Technik, Setups und Training aus.
      Ich habe in meiner kurzen Zeit schon super viele, extrem nette Menschen dort getroffen. Das schätze ich wirklich sehr!

    9. Fazit: Einfacher Bogen – tiefer Sport

    Blankbogenschießen ist die Kunst, mit einem relativ einfachen Bogen sehr präzise und wiederholbar zu treffen – ohne Visier, ohne Hightech, aber mit viel Körpergefühl, Technik und Konzentration.

    Für Einsteiger bietet der Blankbogen:

    • einen sehr direkten Zugang zum Bogensport,
    • eine gute Basis, um später in andere Bogenklassen zu wechseln,
    • eine Sportart, die Kopf und Körper gleichermaßen fordert – und entspannt,
    • und (mein Eindruck): eine Disziplin, die gerade richtig in Fahrt kommt.

    Wenn dich der Gedanke reizt, mit „nur“ Bogen, Sehne und Pfeil ins Schwarze zu treffen, dann ist Blankbogenschießen wahrscheinlich genau dein Stil.

    Und wenn Technik, Fokus und Material zusammenpassen, sieht das beim Blankbogen ungefähr so aus:

    Mehrere Pfeile im Gold einer gelben Zielauflage beim Blankbogenschießen
    Wenn alles zusammenpasst: mehrere Pfeile im Gold – so fühlt sich ein guter Blankbogen-Tag an.

    Ich schlage vor: Such dir einen Verein in deiner Nähe und probier es einfach aus.
    Noch ein wichtiger Punkt: Im Verein bist du versichert. Der Bogen ist ein Sportgerät, und es ist enorm hilfreich, eine Einweisung zu bekommen. Du würdest vermutlich auch nicht versuchen, Reiten zu lernen, in dem du nur YouTube-Videos schaust – oder?

    Quellen & weiterführende Infos

    World Archery – Barebow / Blankbogen (Ausrüstung & Überblick)
    https://www.worldarchery.sport/sport/equipment/barebow

    World Archery – Rulebook: Athletes Equipment / Barebow-Regeln im Detail
    https://www.worldarchery.sport/rulebook/article/3138

    Archery GB – Types of Archery (Disziplinen & Bogenarten inkl. Barebow)
    https://archerygb.org/about/types-of-archery

    Weitere deutschsprachige Infos zu Bogensport, Konzentration und Stressabbau findest du außerdem in Vereinsunterlagen, Blogs und Fachartikeln (z. B. SVMelbeck, Recurve28, Heeper Schützen, Diplomarbeit „Bogenschiessen und Konzentration“).

  • Wie alles begann – vom „Rambo-Bogen“ zum Blankbogen

    Wie alles begann – vom „Rambo-Bogen“ zum Blankbogen

    Wie ich zum Blankbogen kam – und warum ich geblieben bin

    Rubrik: Mein Weg – erste persönliche Geschichte, Ursprung des Blogs

    Ich bin nicht über Leistung zum Bogenschießen gekommen, sondern über Neugier – und später über meinen Sohn. Diese Geschichte ist mein persönlicher Neustart: vom ersten Recurve über den „Rambo-Moment“ bis zum Blankbogen. Und warum ich heute genau dabei geblieben bin.

    „Manchmal führt ein Pfeil nicht ins Ziel – sondern zurück zu dir.“
    (Ein schönes Zitat – leider weiß ich nicht, von wem es stammt.)

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    1) Damals, in den 80ern: kein Schießplatz, sondern ein Laden in Kiel

    In den 1980er-Jahren stand ich nicht auf dem Schießplatz, sondern hinter der Ladentheke, in einem Waffengeschäft in Kiel. Ausbildung, viel Verantwortung, viel Spaß und noch mehr Neugier.

    Zwischen Jagdausrüstung, Luftgewehren, Armbrüsten und all dem „schweren Gerät“ haben wir auch nebenher Bögen verkauft. Und während andere Kunden über Kaliber, Kimme und Korn fachsimpelten, blieb mein Blick immer wieder an diesen gebogenen Stücken Metall und Glasfaser hängen.

    Ich war jung, in der Lehre und hatte einen riesigen Vorteil: Ich saß direkt an der Quelle. Wenn man schon im Waffengeschäft arbeitet – warum nicht selbst mal ausprobieren? Mein Chef hatte mich dazu auch immer ermutigt. Also durfte ich den Bogen einfach so mit nach Hause nehmen. Das war schon ziemlich cool für mich!


    2) Mein erster eigener Bogen: Recurve, Lederarmschutz und Bauchgefühl

    Mein erster eigener Bogen war ein Recurvebogen – nichts Besonderes, aber für mich war es damals „der Bogen“. Dazu kamen die typischen Basics: Armschutz, Köcher, ein paar Pfeile – und sehr viel Begeisterung.

    Wenn ich heute zurückblicke, war das eine schöne Zeit: viel Lernen, viel Ausprobieren, viele kleine Aha-Momente.

    Tipp des Tages:

    Dein erster Bogen muss nicht teuer, perfekt oder „High-End“ sein. Hauptsache, er bringt dich ins Tun – und du hast jemanden, der dir beim Einstieg ein paar Grundlagen zeigt.


    3) Dann kam Hollywood: „Rambo“ – und der Wunsch nach mehr Technik

    Dann kam das, was viele aus dieser Zeit kennen: Hollywood ging in die Vollen. Und ja: „Rambo“ war natürlich ein Auslöser. Plötzlich war Bogenschießen nicht nur Sport, sondern Action, Coolness und „Hightech“.

    Sehnen, Cams, mehr Leistung – genau das Gegenteil von „einfach nur Bogen und Pfeil“. Natürlich wollte ich auch so einen haben.
    Nur die explodierenden Pfeilspitzen gab’s (zum Glück oder leider?) nicht zu bestellen.

    Gemeinsam mit einem Freund bestellte ich schließlich zwei Compoundbögen. Damals fühlte sich das an wie „Endgegner-Level“: modern, schnell, beeindruckend. Und ehrlich gesagt: Das war auch einfach spannend.


    Kleiner Funfact: Mein erster Compoundbogen wohnt seit über 40 Jahren bei uns.

    Compoundbogen aus den 1980ern
    Mein Compoundbogen aus den 1980ern

    Compound im 80er Style
    Compound im 80er Style

    Sieht vielleicht cool aus, aber benutzen werde ich den nicht mehr.

    Was ich aber immer super fand, dass man das Zuggewicht relativ einfach einstellen konnte.

    Aufkleber Zuggewicht
    Zuggewicht 45 – 60 Pfund


    4) Wie es oft läuft: Der Sport verschwindet – und der Bogen landet in der Ecke

    Und dann passierte das, was vielen passiert: Alltag, andere Prioritäten, weniger Zeit. Der Sport verschwand langsam aus meinem Leben.

    Der Bogen wanderte in die Ecke – und blieb dort. Für viele, viele Jahre.


    5) Die Wendung kam durch meinen Sohn

    Die spätere Wendung meiner Geschichte kam nicht aus Hollywood, sondern aus dem echten Leben. Eines Tages sagte mein Sohn:
    „Papa, ich will Bogenschießen lernen!“

    Erst war ich nicht begeistert – nicht, weil ich den Sport nicht mochte, sondern weil mir klar war: Wenn ein Kind anfängt, muss ein Erwachsener mitziehen. Und zwar verlässlich.

    „Im Rückblick war genau das ein Geschenk. Wir sind gemeinsam wieder eingestiegen – und dafür bin ich heute wirklich dankbar. Besonders meiner Frau, die das damals durchgesetzt hat.

    Schütze mit Leihbogen
    Training mit einem Leihbogen

    Wir sind zunächst in den örtlichen Verein eingetreten und haben mit Leihbögen gestartet. Das lief gut – und wie so oft kam dann der Punkt, an dem man merkt:
    Wenn du mehr Präzision und mehr Reichweite willst, brauchst du auch besser passendes Material (und ein bisschen Training). Relativ schnell sind wir deshalb zu eigenem Equipment übergegangen – eine gute Entscheidung!
    Dazu fanden wir dann auch schnell einen Verein mit tollen Trainern, die auch nicht nur einen Kurs für Animateure gemacht haben, sondern vom DSB zertifiziert sind. Dazu aber später mehr.


    6) Warum ausgerechnet Blankbogen?

    Wenn du mich heute fragst, warum ich ausgerechnet beim Blankbogenschießen hängen geblieben bin, ist die Antwort ziemlich einfach:

    Weil es ehrlich ist.
    Weil es reduziert ist.
    Weil es gnadenlos zeigt, was du schon kannst – und was (noch) nicht.

    Beim Blankbogen kannst du nichts „dem Visier“ oder der Technik in die Schuhe schieben. Klar: Auch hier kann man Geld versenken – wie in jedem Hobby. Aber am Ende bleibt der Kern: Du, der Bogen, der Pfeil – und dein Ablauf.

    Ich bin nicht der Typ, der so tut, als hätte er immer alles im Griff. Und ja: Sich das einzugestehen, ist nicht immer leicht.

    Nicht jeder Schuss trifft – aber jeder Schuss kann dich etwas lehren.
    Wenn du bereit bist, genau hinzusehen.


    7) Lernen, Korrekturen und zwei Leute, die mich geprägt haben

    Seit dem Neustart ist viel passiert. Ich durfte zum Beispiel erleben, wie wertvoll gute Korrekturen sind – und wie viel man sich im Laufe der Zeit „angewöhnt“, das gar nicht optimal ist.

    Zwei Namen möchte ich hier nennen, weil sie mir wirklich geholfen haben und eine Inspiration für mich sind: Oliver Ochkenholt und Claus Vigen Pindbo. Von beiden habe ich sehr klare, ehrliche Hinweise bekommen – kleine Korrekturen, die manchmal mehr bringen als zehn Trainings mit „weiter so“.

    Karsten und die beiden Dänen der Nationalmannschaft beim Coaching
    „Oliver Ochkenholt und Claus Vigen Pindbo beim Coaching am Schießplatz“

    Feine Korrekturen, kleine Hinweise, ehrlich auf den Punkt. Ich will nicht unbedingt sagen “hart” – aber genau das, was man braucht, wenn man besser werden will. Ob man (ich) es dann schaffe, auf die Dauer das auch so mitzunehmen und umzusetzen ist ja immer noch eine andere Sache.

    Und trotzdem gilt: Es bleibt ein Prozess. Wäre es so einfach, wären wir alle Olympioniken, oder? Für mich gilt daher: dranbleiben!


    8) Die Geschichte mit der Landesmeisterschaft (und warum das gut war)

    Und dann gibt es da noch diese Geschichte von der Landesmeisterschaft
    Sagen wir’s so: Ich habe dabei sehr deutlich gelernt, dass Leistung nicht nur aus Technik besteht, sondern auch aus Kopf, Ruhe, Timing – und manchmal schlicht aus Erfahrung.

    Für mich war das definitiv lehrreich und auch ein bisschen heilsam. 😀


    9) Wo ich heute stehe – und wohin ich will

    Heute bin ich irgendwo zwischen:

    • „Typ von nebenan, der einfach wieder angefangen hat“
    • und „ambitionierter Schütze mit klarer Vision“

    Mein großes Ziel – und das darf hier ruhig schwarz auf weiß stehen:
    Irgendwann bei der Deutschen Meisterschaft auf der Startliste zu stehen.


    Ausblick

    Der nächste Artikel erscheint im Februar: „Was ist eigentlich Blankbogenschießen?“

    Wenn du mehr über mich lesen willst:
    Über-mich-Seite