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  • Mein erster Schuss nach mehr als 30 Jahren Pause

    Mein erster Schuss nach mehr als 30 Jahren Pause

    Manche Dinge im Leben verschwinden nicht – sie warten nur geduldig. Bei mir war es wohl offensichtlich das Bogenschießen.

    Ich habe als Kind/Jugendlicher geschossen, irgendwann kam dann „Leben“ dazwischen: Schule, Arbeit, Familie, Verpflichtungen, und schwupps sind aus ein paar Jahren Pause plötzlich Jahrzehnte geworden. Und dann – ganz unspektakulär – stand ich wieder da. Mit einem Bogen in der Hand. Und dem Gefühl: „Okay… das ist also noch da.“

    Wie es (natürlich) mit den Kindern angefangen hat

    Sommer 2023. Wir waren im Urlaub und unter anderem in Oberammergau. Dort gibt’s nicht nur einen tollen Bikepark, sondern auch einen Bogenparcours am Kolbensattel.

    Während der eine Sohn biken war, wollte der andere unbedingt „mal Bogenschießen“. Und ich – in der klassischen Elternrolle – dachte: „Klar, machen wir. Einmal ausprobieren. Danach ist Ruhe.“
    (An dieser Stelle darfst du schon lachen. Spoiler: Danach war nicht Ruhe.)

    Der Parcours heißt Ammer-Bow. Man kann sich dort Bogen und Pfeile leihen, bekommt eine kurze Einweisung (Sicherheit, Verhalten, wie man halbwegs zielt – und vor allem: wie man keinen Quatsch macht) und dann geht’s los in den Wald.

    „Parcours“ bedeutet: Du läufst durch die Natur, und zwischendurch stehen Ziele. Viele Ziele.

    Der Wald, die Berge und der Holsteiner in mir

    Jetzt muss man dazu sagen: Der Kolbensattel ist… sagen wir… bergig. Und ich komme aus Schleswig-Holstein. Wir nennen schon einen Deich „Erhebung“. Ich hatte also nach den ersten Metern zwei Gedanken:

    1) „Schöne Gegend!“
    2) „Warum atme ich so laut?“

    Und dann tauchen sie auf: die 3D-Ziele. Schaum- oder Gummitiere, irgendwie dazwischen – Hauptsache robust. Da stehen „böse Giftpilze“, riesige Raupen, Drachen, Hirsche und alles, was man im Wald nicht unbedingt in Originalgröße treffen möchte.

    3D-Wildschwein-Ziel auf einem Waldparcours, im Hintergrund stehen Pfeilfangmatten.“
    Typische Parcours-Stimmung: Wald, 3D-Ziel – und ein ehrlicher Treffer.

    „Probier doch auch mal.“ (Der Satz, der alles verändert hat)

    Eigentlich hatten wir den Bogen nur für meinen Sohn geliehen. Aber er hatte so viel Spaß, dass er irgendwann meinte:
    „Probier doch auch mal.“

    Und ich… konnte nicht widerstehen.

    Ich nahm den Bogen in die Hand – und es war sofort dieses altbekannte Gefühl:
    Der Griff. Das Gewicht. Die Sehne. Dieses kurze „Jetzt wird’s ernst“-Kribbeln, obwohl es ja nur ein Freizeit-Parcours ist und ich damals eine Compoundbogen hatte.

    Dann kam der erste Schuss.

    Und ich treffe.

    Nicht perfekt. Nicht Weltklasse. Aber: Treffer. Und in meinem Kopf ging eine kleine Tür auf, die seit Jahrzehnten zugemauert war.

    Ich glaube ja fest daran: Fortuna ist oft bei Anfängern – oder bei Wiedereinsteigern, die sich für einen Moment wieder wie Anfänger fühlen. Und genau das ist dieser gefährliche Mix: Treffer + gutes Gefühl = „Oh oh… das macht Spaß.“

    Detail: Pfeil im 3D-Ziel (Krokodil)
    Trefferbild: Der Pfeil steckt – und genau da beginnt der Spaß.

    Der Moment, in dem ich gemerkt habe: Das ist mehr als „nur mal ausprobieren“

    Was mich überrascht hat, war nicht der Treffer. Sondern das Gefühl danach.

    Bogenschießen ist leise. Konzentriert. Irgendwie ehrlich. Du kannst dich nicht rausreden. Du siehst sofort, was du gemacht hast. Und du merkst auch sofort, wenn du innerlich unruhig bist.

    Zwischen „böser Giftpilz“ und „Hirsch von links“ habe ich gemerkt:
    Ich bin zwar älter geworden – aber diese Mischung aus Fokus, Spaß und Natur ist immer noch genau mein Ding.

    Und da war auch Humor dabei. Ich erinnere mich nicht mehr genau an den inneren Kommentar, als ich den Bogen gespannt habe, aber es muss sowas in der Art gewesen sein:
    „Karsten, du bist jetzt offiziell einer von denen, die wie Robin Hood im Wald auf Schaumtiere schießen. Glückwunsch. Es fehlt nur noch die grüne Strumpfhose.“

    Nach dem Urlaub: Der Punkt ohne Rückfahrticket

    Zurück zuhause war das Thema nicht weg. Im Gegenteil. Es hat sich festgesetzt. Ich wollte es eigentlich nicht, aber Mutti hatte sich durchgesetzt und der Sohn sollte seinen Willen bekommen – gut auch für mich.

    Also habe ich einen Verein in der Umgebung gesucht. Und so begann meine „Bogenkarriere“ in 2023 wieder – allerdings mit einer wesentlichen Änderung:

    • Der Wunsch ist größer.
    • Das Material ist besser.
    • Trainer geben sich richtig Mühe.
    • Und es gibt diese Parcours mittlerweile gefühlt überall – und sogar weltweit.

    Kurz gesagt: Das, was früher „ein Hobby“ war, ist heute ein echter Ausgleich. Und manchmal auch ein kleiner Spiegel.

    Bogen auf einem Ständer an der Schießlinie, im Hintergrund Scheiben und Vereinsplatz.
    Vereinsplatz-Moment: Bogen bereit an der Schießlinie – Training kann starten.

    Mini-Lektion für Wiedereinsteiger: Ein paar Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte

    1) Sicherheit ist nicht „Spießigkeit“, sondern Respekt.
    Einweisung, Regeln, klare Abläufe – das macht den Sport erst richtig entspannt.

    2) Du wirst am Anfang „zu viel wollen“.
    Der Kopf ist schneller als der Körper. Lass dir Zeit. Es lohnt sich. Zum Glück erinnern mich meine Trainer & Mitschützen regelmäßig daran.

    3) Der erste Treffer ist ein Geschenk – aber auch eine Falle.
    Du willst sofort wieder dieses Gefühl. Und genau dann fängt das Üben an.

    Wenn du auch überlegst, wieder anzufangen

    Falls du gerade denkst: „Bogenschießen… das wollte ich doch früher auch mal…“
    Dann nimm das ernst. Nicht als „Projekt“, sondern als Einladung.

    Du brauchst nicht gleich High-End-Material. Du brauchst nur einen Ort, der Einsteiger freundlich behandelt – und die Bereitschaft, dich selbst wieder neu kennenzulernen.